07.01.2015 Bundesweite Demonstration Dessau – 10 Jahre Mord an Oury Jalloh

07.01.2015 Bundesweite Demonstration Dessau - 10 Jahre Mord an Oury Jalloh

Bundesweite Kundgebung und Demonstration zum 10. Jahrestag der Ermordung Oury Jallohs am 07.01.2015, 14 Uhr, Hauptbahnhof Dessau-Roßlau. Aktuelles findet ihr auf der Seite der Initiative für Oury Jalloh sowie Mobiplakate zum ausdrucken, siehe Teil 1 und 2.

Seit nunmehr zehn Jahren kämpfen die Freund_innen und Angehörige des ermordeten Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone um die Aufklärung seines Todes.

Drohungen, Polizeigewalt, Razzien, etliche Gerichtsverfahren und weitere verschiedene Formen der Repression gegen die Mitglieder der Initiative waren die Reaktion der Behörden. Die Initiative hat dennoch nie aufgehört dafür zu kämpfen, dass ein rassistischer Mord in Deutschland nicht weiter verschwiegen werden kann.

Auch in mehreren Gerichtsverfahren sind Staatsanwaltschaft und Gerichte in ihren Ermittlungen ausschließlich der völlig unrealistischen Selbstmordthese nachgegangen. An Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfest ummantelten Matratze in einer gefliesten Polizeizelle soll er diese Matratze selbst entzündet haben.

Ein unabhängiges und selbst finanziertes Brandgutachten(1) der Initiative stellt 2013 fest, dass dies ohne Brandbeschleuniger nicht möglich ist. Daraufhin stellen Aktivist*innen der Initiative Anzeige wegen Mordes beim Generalbundesanwalt. Der erklärt sich für nicht zuständig und gibt den Fall an die Staatsanwaltschaft Dessau ab. Der Forderung an die Dessauer Staatsanwaltschaft, endlich umfassende Brandversuche durchzuführen, um die Entstehung des unstrittigen Brandbildes vom 7.1.2005 in Zelle Nr. 5 zu ermitteln, wird bis heute nicht einmal ansatzweise nachgegangen, auch wenn Oberstaatsanwalt Bittmann unter dem Eindruck des Gutachtens noch das Gegenteil behauptete(2).

Eine Schlüsselstellung nimmt aber nach wie vor das Feuerzeug ein: Am 10.1.2005, drei Tage nach dem Brand, wird ein Feuerzeugrest in die Asservatenliste hinzugefügt. Trotz mehrmaliger Leibesvisitationen soll Oury Jalloh ein Feuerzeug in die Zelle geschmuggelt haben und so in der Lage gewesen sein, den Brand selbst zu entfachen. Angeblich wurde es in einem geschmolzenen Matratzenblock gefunden, der sich unter dem Rücken von Oury’s Leiche befand. Bei einer 2013 durchgeführten eingehenden Untersuchung des Feuerzeugrests wird jedoch festgestellt, dass es keinerlei DNA oder sonstige Spuren von Oury Jalloh, seiner Kleidung oder der Matratze enthält, wohl aber eingeschmolzene Polyesterfasern, die keinem besonderen Kleidungsstück mehr zugeordnet werden können und unverkohlte, anhaftende Tierhaare. Oury Jalloh trug erwiesenermaßen Baumwollkleidung, als er ermordet wurde. Das Feuerzeug kann somit unmöglich in dieser Zelle gewesen sein, geschweige denn als Tatwerkzeug infrage kommen.

Dennoch stützt sich die Staatsanwaltschaft Dessau nach wie vor ausschließlich auf ein erwiesenermaßen gefälschtes Beweisstück und deckt damit aktiv dieses Staatsverbrechen!

Eine nachträgliche und von der Initiative finanzierte Obduktion ergab, dass Oury Jalloh einen Nasenbeinbruch und weder Stresshormone noch Kohlenmonoxid im Blut hatte, was lt. Rechtsmedizin darauf hinweist, dass er zum Zeitpunkt des Brandes bereits ohnmächtig oder tot gewesen sein oder durch die Verwendung von Brandbeschleuniger innerhalb kürzester Zeit einen tödlichen Schock erlitten haben musste.

Wichtige Beweismittel verschwanden, Aussagen widersprachen sich, Falschaussagen wurden festgestellt, Standarduntersuchungen am Tatort wurden nicht durchgeführt. Zwei weitere, bis heute nicht aufgeklärte Todesfälle werden zudem mit der Dessauer Polizeiwache in Verbindung gebracht(3). Die Liste an ungeheuerlichen und schmerzhaften Skurrilitäten und Vertuschungen aus den letzten zehn Jahren lässt sich noch lange fortsetzen.

Oury Jalloh – Das war Mord!

KOMMT ZUR BUNDESWEITEN DEMONSTRATION!

07.01.2015 DESSAU HBF 14 UHR

(1) https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/brandgutachten/video-brandgut…
(2) https://www.youtube.com/watch?v=eP_BcxTghao&feature=youtu.be
(3) https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2012/12/13/pressemitteilung-d…